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Luftleitungen für Küchenabluft - verzinkt, normgerecht und sicher geplant

In gewerblichen Küchen gelten an Luftleitungen deutlich höhere Anforderungen als in vielen anderen Anwendungsbereichen. Der Grund: In Ab- und Fortluft werden fett- und ölhaltige Aerosole transportiert, die ein erhebliches Gefahrenpotenzial darstellen. Um Brandrisiken zu minimieren und die Betriebssicherheit zu gewährleisten, müssen Planung, Materialwahl und Montage konsequent an den geltenden Normen und Richtlinien ausgerichtet werden.

Fehler in der Ausführung - etwa ungeeignete Materialien, unzureichende Dichtheit, fehlende Revisionsmöglichkeiten oder brandschutztechnische Mängel - können dazu führen, dass Luftleitungen den technischen und behördlichen Anforderungen nicht entsprechen. Gerade deshalb ist eine normgerechte Systemauswahl ebenso wichtig wie die fachgerechte Montage auf der Baustelle.

 

 

Warum Küchenabluft besondere Aufmerksamkeit verlangt

Raumlufttechnische Anlagen haben in gewerblichen Küchen eine besondere sicherheitstechnische Bedeutung. Fette und Öle sollen möglichst früh abgeschieden werden, dennoch zeigt die Praxis, dass planerische Fehler, ungeeignete Werkstoffe oder mangelhafte Montage immer wieder zu kritischen Situationen führen. Dazu zählen unter anderem unzulässige Flex- oder Kunststoffrohre, zu geringe Abstände zu brennbaren Bauteilen, fehlender Feuerwiderstand außerhalb des Küchenbereichs oder eine unzureichende Fett- beziehungsweise Aerosolatdichtheit.

 

 

Welche Normen und Richtlinien sind relevant?

Für die Ausführung von Luftleitungen in gewerblichen Küchen sind insbesondere die Muster-Lüftungsanlagenrichtlinie (M-LüAR), die VDI 2052 sowie die DIN EN 16282, vor allem Teil 5, maßgeblich. Während die M-LüAR grundlegende Mindestanforderungen an Abluftleitungen definiert, beschreibt die VDI 2052 die Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb von RLT-Anlagen in gewerblichen Küchen. Die DIN EN 16282 konkretisiert zusätzlich die Ausführung und Dimensionierung von Luftleitungen.

 

 

Brandschutz in der Praxis

Auch brandschutztechnisch gelten klare Anforderungen. Die Vorgaben ergeben sich aus Bauverordnungen, Baubestimmungen und Richtlinien. Laut PDF sind Lindab Wickelfalzrohre nach EN 1366-1 geprüft und nach EN 13501-3 als E90 (ve-ho i -> o) klassifiziert. Ab dem Austritt aus F90-Küchenabschnitten sind Leitungen in L90 auszuführen.

 

 

 

Anforderungen der M-LüAR

Die M-LüAR verlangt, dass Abluftleitungen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Sobald die Leitung den Küchenbereich verlässt, ist mindestens L90 einzuhalten - es sei denn, andere geeignete Maßnahmen verhindern die Ausbreitung von Feuer und Rauch. Außerdem müssen Küchenabluftleitungen so ausgeführt sein, dass weder Fett noch Kondensat durch die Leitungswandungen austreten kann. Bei Blechleitungen gilt dies als erfüllt, wenn Verbindungen gelötet, geschweißt oder mit dauerelastischen Dichtstoffen hergestellt sind.

 

 

Anforderungen der VDI 2052

Die VDI 2052 unterscheidet klar zwischen Zu- und Abluft. Während Zuluftleitungen vor allem hygienische Anforderungen erfüllen müssen, sind Abluft- und Fortluftleitungen aerosolatdicht auszuführen. Für gewerbliche Küchen kommen hierfür in der Regel verzinktes Stahlblech oder Edelstahl 1.4301 zum Einsatz. Zusätzlich fordert die Richtlinie Revisionsöffnungen in regelmäßigen Abständen - etwa alle drei Meter - sowie eine Ausführung, die eine Reinigung mit flüssigen Reinigungsmitteln ermöglicht. Ebenfalls wichtig: Die VDI 2052 fordert ausdrücklich eine Abnahmeprüfung mit Dichtheitsnachweis

 

 

Anforderungen der DIN EN 16282

Die DIN EN 16282 betrachtet Luftleitungen in Küchen unter funktionalen Gesichtspunkten wie geringem Energiebedarf, niedrigen Leckagen, geringen Wärmeverlusten und hygienischem Betrieb. Für Außen- und Zuluftleitungen fordert sie Dichtheitsklasse C oder besser. Aerosolatdichte Ausführungen werden durch gelötete, geschweißte oder mit dauerelastischen, fettunempfindlichen Dichtstoffen versehene Verbindungen erreicht. Flexible Leitungen sind für Abluftanwendungen grundsätzlich nicht zulässig.

 

 

Produkt- und Montageempfehlung

Aus den genannten Normen und Richtlinien ergibt sich, dass gefalzte, verzinkte Luftleitungen - rund oder eckig - grundsätzlich eingesetzt werden können, sofern geeignete Dichtungsmaterialien verwendet und die Systeme fachgerecht montiert werden. Entscheidend ist dabei nicht allein das Bauteil, sondern immer das gesamte System aus Produkt, Verbindung und Montageausführung.

Lindab empfiehlt für diesen Bereich unter anderem runde Luftleitungen im Safe-System mit Dichtheitsklasse D nach DIN EN 12237 sowie eckige Luftleitungen mit Dichtheitsklasse D nach DIN EN 1507. Bei runden Varianten kommen diffusionsdichte Wickelfalzrohre mit fett- und ölbeständiger Dichtschnur, längsgefalzte Rohre mit zusätzlicher Falzabdichtung sowie Formstücke mit Safe-Dichtung und zusätzlicher fettbeständiger Falzabdichtung zum Einsatz. Bei eckigen Leitungen werden Leichtprofilrahmen verwendet; Falze und Ecken sind fettbeständig abgedichtet.

Für die Montage ist besondere Sorgfalt erforderlich. Längsfalze sollten möglichst nach oben verlegt werden. Steckverbindungen müssen zusätzlich durch eine dauerelastische, fettbeständige Dichtmasse verbessert werden. Auch Bordverbindungen und Rahmenanschlüsse sind mit geeigneten Dichtbändern oder Dichtmassen abzudichten. Nur so kann die nach DIN EN 16282-5 und VDI 2052 geforderte Dichtigkeit des Gesamtsystems gegen Fett und Aerosole erreicht werden.

 

 

Warum ein Dichtheitstest empfohlen wird

Eine luftdichte Ausführung allein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer ausreichenden Fett- und Flüssigkeitsdichtheit. Deshalb sollte ergänzend zur Einregulierung der Anlage ein Dichtheitstest nach DIN EN 12237 beziehungsweise DIN EN 1507 durchgeführt werden. Aus sicherheitstechnischer Sicht sollte dieser Leckagetest bei Ab- und Fortluftleitungen als Standard verstanden werden. Der Nachweis der Dichtheitsklasse D bestätigt weitestgehend auch die erforderliche Aerosolatdichtheit.

 

 

Fazit

Bei gewerblichen Küchen ist eine norm- und richtliniengerechte Planung der Be- und Entlüftung keine Formalität, sondern eine Grundvoraussetzung für Sicherheit, Betrieb und Haftungsminimierung. Normgerechte Luftleitungsbauteile, eine sorgfältige Montage, regelmäßige Inspektionen und ein nachvollziehbarer Dichtheitsnachweis gehören deshalb zwingend zusammen. Auch dort, wo Genehmigungen oder Abnahmen regional unterschiedlich gehandhabt werden, sind diese Maßnahmen ein wichtiger Beitrag zur Schadensverhütung und zur Absicherung gegenüber Versicherern.

 

 

 

Reicht eine luftdichte Ausführung für Küchenabluft aus?

Nein. Bei Küchenabluft kommt es nicht nur auf Luftdichtheit, sondern auf Fett- und Aerosolatdichtheit an. Diese wird erst durch geeignete Produkte, passende Dichtstoffe und eine fachgerechte Montage des Gesamtsystems erreicht.

Sind flexible Leitungen für Küchenabluft zulässig?

Für Abluftanwendungen in gewerblichen Küchen sind flexible Leitungen laut DIN EN 16282 grundsätzlich nicht zulässig.

Warum sind Revisionsöffnungen so wichtig?

Weil Küchenabluftleitungen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden müssen. Die VDI 2052 fordert deshalb Revisionsöffnungen in regelmäßigen Abständen.

Ist ein Dichtheitstest verpflichtend?

Die VDI 2052 fordert eine Abnahmeprüfung mit Dichtheitsnachweis. Darüber hinaus ist ein Dichtheitstest aus sicherheitstechnischer Sicht ausdrücklich zu empfehlen.

 

 

Ihr Lindab-Experte

Dipl.-Ing. Jan Behrens - Technischer Leiter Lindab GmbH

Jan Behrens ist Autor des zugrunde liegenden Fachbeitrags und beschäftigt sich mit den normativen, technischen und praktischen Anforderungen an Luftleitungen in gewerblichen Küchen. Im Fokus stehen dabei Betriebssicherheit, Fettdichtheit, Brandschutz und die normgerechte Ausführung kompletter Luftleitungssysteme.